Impulse abonnieren

Wem gehört der Tag einer Führungskraft?

leadership linkedin-newsletter Oct 15, 2026
Wem gehört der Tag einer Führungskraft?

Viele Führungskräfte beginnen ihren Tag mit dem Postfach und beenden ihn mit dem Gefühl, nichts Wichtiges geschafft zu haben.

Dazwischen liegen Termine, Rückfragen, Nachrichten und kurze Abstimmungen im Gang. Den ganzen Tag über arbeiten sie die Agenda anderer Leute ab.

Neu ist das nicht. Peter Drucker hat schon 1967 in „The Effective Executive“ festgestellt, dass Führungskräfte in höheren Positionen selten mehr als ein Viertel ihrer Zeit wirklich für die wichtigen Themen zur Verfügung haben. Für genau die Themen, für die sie eigentlich bezahlt werden.

Neu ist, wie sehr sich das in den letzten zwanzig Jahren verschärft hat. Und dass das Team jeden Tag zuschaut.

Um drei Gewohnheiten, mit denen der Tag wieder der Führungskraft gehört, geht es im aktuellen → Video. Die erste lässt sich schon morgen früh anwenden.

Gewohnheit 1: Die erste Stunde

Die Informatikerin Gloria Mark von der University of California in Irvine misst seit über zwanzig Jahren, wie lange Menschen bei der Arbeit an einem Bildschirm bleiben, bevor sie wechseln.

2004 waren es im Durchschnitt zweieinhalb Minuten. In ihren jüngsten Messungen sind es noch 47 Sekunden.

Und wer von einer Aufgabe weggerissen wird, kehrt nach ihren Daten im Schnitt erst nach rund 25 Minuten zu ihr zurück. Dazwischen erledigt man andere Dinge, meistens kleinere.

Wer morgens als Erstes das Postfach öffnet, startet genau in diesem Modus. Die erste Mail zieht die zweite nach sich, dazu eine Rückfrage, dann ein kurzer Anruf. Um halb zehn ist der Tag bereits verplant, und zwar von anderen.

Die Gegenbewegung ist einfach: Die erste Stunde gehört dem wichtigsten Thema. Das Postfach bleibt so lange zu.

„7:30 Uhr Postfach.“

„7:30 bis 8:30 Uhr das wichtigste Thema, danach E-Mails.“

Drucker hat auch dafür schon eine klare Begründung geliefert. Schon ein Viertel des Arbeitstags reicht in der Regel für die wichtigen Dinge, solange diese Zeit am Stück zur Verfügung steht. Drei Viertel des Tages nützen dagegen wenig, wenn sie nur in Viertelstunden hier und halben Stunden dort anfallen.

Die erste Stunde ist dafür der einfachste Einstieg. Um diese Zeit ist es meistens noch ruhig, und kaum jemand erwartet sofort eine Antwort.

Gewohnheit 2: Der Spiegel

Jedes Team kopiert, was seine Führung tut. Pünktlichkeit, Vorbereitung, der Ton in Meetings, der Umgang mit Zusagen.

Wer selbst regelmässig zu spät ins Meeting kommt, kann über Verbindlichkeit reden, so lange er will. Das Team hat längst gesehen, was wirklich gilt.

Gallup hat dazu eine der bekanntesten Zahlen der Führungsforschung ermittelt: Mindestens 70 Prozent der Unterschiede im Engagement zwischen Teams gehen auf die direkte Führungskraft zurück.

Und die Wirkung pflanzt sich fort. Sind Führungskräfte selbst engagiert, steigt nach Gallup die Wahrscheinlichkeit um 59 Prozent, dass auch ihre Mitarbeitenden engagiert sind.

Drucker hat es noch direkter formuliert: Führungskräfte, die sich selbst nicht wirksam organisieren, geben ein schlechtes Beispiel ab.

Das Team ist in diesem Sinn ein Spiegel. Es zeigt der Führungskraft ihre eigenen Standards, jeden Tag.

Die unbequeme Übung dazu: auf die Dinge schauen, die einen am Team am meisten stören. Und dann ehrlich prüfen, wo man sie selbst vorlebt.

Gewohnheit 3: Das Freitags-Review

Ohne Rückblick wiederholt man dieselbe Woche 50 Mal im Jahr.

Die Forscher Giada Di Stefano, Francesca Gino, Gary Pisano und Bradley Staats haben untersucht, was ein kurzer Rückblick bewirkt.

Mitarbeitende in einem Schulungsprogramm verbrachten die letzten 15 Minuten ihres Arbeitstags damit, aufzuschreiben, was sie gelernt hatten. Ihre Leistung lag danach um rund 23 Prozent über der Gruppe, die ohne diesen Rückblick weiterarbeitete.

Die Forscher erklären den Effekt auf zwei Wegen: Wer reflektiert, versteht die Aufgabe besser. Und er traut sich danach auch mehr zu.

Für Führungskräfte heisst das: Jeden Freitag 20 Minuten mit drei Fragen.

Was lief gut?

Was lief nicht?

Was ändere ich nächste Woche?

Wichtig ist die dritte Frage. Eine einzige konkrete Änderung pro Woche reicht. Über ein Jahr ergibt das rund 50 kleine Verbesserungen.

Piloten besprechen jeden Flug nach der Landung, auch den ruhigen. Eine Führungswoche verdient dieselbe Aufmerksamkeit.

Die entscheidende Frage

Was war heute deine erste Handlung am Arbeitsplatz?

Und wessen Agenda hat sie gedient?

👉 Im aktuellen → Video gehe ich die drei Gewohnheiten mit Skizzen durch, von der ersten Stunde bis zum Freitags-Review.

Wer herausfinden will, wo der eigene Tag gerade verloren geht und welcher Hebel am meisten bringt, kann hier ein kurzes Gespräch mit mir buchen. 15 Minuten, konkret auf den eigenen Alltag bezogen.

Peter Drucker hielt es für keineswegs bewiesen, dass man andere Menschen wirklich managen kann. Beim eigenen Management war er sicherer:

"But one can always manage oneself."

Anmeldung zum Montag Morgen Impuls

Der frische Denk- und Handlungsimpuls für Ihren Erfolg. Für alle ambitionierten Führungspersonen. Jeden Montag Morgen in Ihrer Inbox. Lesezeit: 3 min. 

Schliessen Sie sich jetzt der wachsenden Zahl ambitionierter Leser an.

Wir werden Ihre Daten niemals an Dritte weitergeben. Sie können sich jederzeit durch einfachen Klick sicher austragen.