Führungskräfte-Coaching: Wann es sich lohnt und wann nicht
Oct 29, 2026
Führungskräfte-Coaching kann eine der besten Investitionen einer Laufbahn sein.
Oder eine Reihe angenehmer, teurer Gespräche, nach denen sich wenig verändert hat.
Ich bin selbst seit über 15 Jahren Coach für Führungskräfte. Deshalb gehört für mich auch die andere Seite dazu: wann man es besser lässt.
Die gute Nachricht zuerst. Coaching wirkt, und das ist inzwischen gut belegt.
Tim Theeboom, Bianca Beersma und Annelies van Vianen aus Amsterdam haben 2014 in einer Metaanalyse die verfügbaren Studien zu Coaching im Unternehmen ausgewertet. Coaching hatte auf alle untersuchten Bereiche einen deutlich positiven Effekt: Leistung, Wohlbefinden, Umgang mit Belastung, Einstellung zur Arbeit.
Am stärksten war die Wirkung bei einem Punkt: der Fähigkeit, sich selbst auf ein Ziel hin auszurichten und dranzubleiben.
Nur ist ein Durchschnitt über viele Studien noch keine Garantie für den Einzelfall. Ob sich Coaching lohnt, lässt sich meistens schon vor dem ersten Termin erkennen.
Um drei Fragen, mit denen Führungskräfte das vorher prüfen, geht es im aktuellen → Video.
Frage 1: Die Taxi-Frage
Wer ins Taxi steigt und keine Adresse nennt, zahlt für Runden um den Block.
Mit Coaching ist es genauso. Es lohnt sich, wenn es ein konkretes, überprüfbares Ziel gibt.
„Ich will mich weiterentwickeln“ ist keine Adresse. Daraus werden angenehme Gespräche mit wenig Veränderung.
„In sechs Monaten erledigt mein Team die Tagesarbeit ohne tägliche Rückfragen an mich“ ist eine Adresse. Daran lässt sich jede Sitzung messen.
Die Metaanalyse passt genau dazu. Die stärkste Wirkung zeigte Coaching dort, wo es um Ziele ging. Wer mit einem klaren Ziel kommt, nutzt genau die Stärke, die Coaching nachweislich hat.
Ein guter Coach stellt diese Frage deshalb schon im ersten Gespräch. Und er fragt so lange nach, bis die Antwort konkret genug ist.
Frage 2: Das Training dazwischen
Die eigentliche Wirkung von Coaching entsteht zwischen den Terminen. Im Alltag, beim Ausprobieren, beim Scheitern und beim zweiten Versuch.
Gerald Olivero, Denise Bane und Richard Kopelman haben das 1997 in einer öffentlichen Verwaltung in den USA gemessen. 31 Führungskräfte durchliefen zuerst ein klassisches Führungstraining. Die Produktivität stieg danach um 22 Prozent.
Dann folgten acht Wochen Einzelcoaching mit Zielen, Übungen im Alltag und regelmässiger Rückmeldung. Mit dem Coaching stieg die Produktivität um 88 Prozent.
Die Studie ist klein und schon älter, man sollte sie nicht überbewerten. Die Richtung deckt sich aber mit dem, was jeder aus dem Sport kennt.
Eine Stunde pro Woche mit dem Fitnesstrainer macht niemanden fit. Die Übungen zwischen den Terminen schon.
Wer im Coaching die vereinbarten Schritte nicht umsetzt, bezahlt für gute Unterhaltung. Die Sitzung ist dann der Höhepunkt der Woche. Sinnvoller ist sie als Kontrollpunkt: Was habe ich umgesetzt, was hat funktioniert, was nicht?
Frage 3: Der Sparringspartner
Ein guter Coach widerspricht, wenn sich jemand etwas vormacht.
Das klingt selbstverständlich. Es ist aber der Punkt, an dem sich gutes Coaching am deutlichsten von einem netten Gespräch unterscheidet.
Die Organisationspsychologin Tasha Eurich hat in ihren Studien festgestellt, dass rund 95 Prozent der Menschen glauben, sich selbst gut einschätzen zu können. Nach ihren Messungen trifft das tatsächlich nur auf 10 bis 15 Prozent zu.
Bei Führungskräften kommt ein weiterer Effekt dazu. Je höher die Position, desto weniger Leute sagen einem noch ehrlich die Meinung.
Im Boxen trainiert man mit einem Sparringspartner, der zurückschlägt. Nur so wird man besser.
Ein Coach, der vor allem bestätigt, fühlt sich gut an. Ein Sparringspartner, der nachfragt und fordert, bringt weiter.
Woran man den Unterschied erkennt: Schon im Kennenlerngespräch kommt mindestens eine Frage, die unbequem ist.
Wann man es besser lässt
Aus diesen drei Fragen ergeben sich auch die Gründe, gerade kein Coaching zu beginnen.
Wenn es kein konkretes Ziel gibt und auch keins gefunden werden soll.
Wenn in den nächsten Monaten keine Zeit für die Umsetzung zwischen den Terminen bleibt.
Und wenn man ehrlicherweise vor allem Bestätigung sucht.
In all diesen Fällen ist das Geld woanders besser angelegt. Das zu sagen, gehört für mich zu einem ehrlichen Erstgespräch dazu.
Die entscheidende Frage
Welche Adresse würdest du deinem Coach nennen?
Wenn dir keine einfällt, ist das auch eine Antwort.
👉 Im aktuellen → Video gehe ich die drei Fragen mit Skizzen durch, von der Taxi-Frage bis zum Sparringspartner.
Wer die Taxi-Frage für sich klären will, kann hier ein 15-Minuten-Gespräch mit mir buchen. Auch wenn am Ende herauskommt, dass gerade kein Coaching nötig ist.
Bill Gates hat seinen TED-Vortrag 2013 mit einem Satz begonnen, der seither oft zitiert wird:
"Everyone needs a coach."
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