Leadership-Impulse

80 Prozent der Unternehmen fühlen sich nicht bereit für KI. Der Grund liegt selten in der Technologie

leadership linkedin-newsletter Aug 20, 2026
KI-Projekte scheitern selten an der Technik

Wenn Unternehmen mich zu ihrer KI-Strategie befragen, frage ich zuerst, wie es um die Energie und das Mindset im Team steht. Diese Frage überrascht regelmässig, weil sich die meisten längst über Lizenzen, Schulungen und Rollout-Pläne Gedanken gemacht haben, aber kaum über das Fundament darunter.

Genau darum geht es in meinem aktuellen ➔ Video: um drei Ebenen, die darüber entscheiden, ob KI in einem Unternehmen wirklich etwas bewirkt oder zu einem weiteren gut gemeinten Tool wird, das kaum genutzt wird. Hier schaue ich mir die Logik dahinter genauer an.

Das Fundament, das in den meisten KI-Strategien fehlt

Wenn man sich anschaut, wie Unternehmen typischerweise an KI herangehen, folgt der Ablauf fast immer demselben Muster. Zuerst wird ein Tool ausgewählt, dann eine Schulung organisiert, danach folgt die Erwartung, dass sich Produktivität und Effizienz automatisch einstellen.

Das Problem liegt selten im Tool selbst. Es liegt in der Annahme, dass Technologie auf einer neutralen Basis landet. Jedes Tool trifft auf ein Team, das bereits eine bestimmte Haltung mitbringt, und diese Haltung entscheidet über die Wirkung.

Bill Gates hat das bereits vor Jahrzehnten präzise formuliert, lange bevor von künstlicher Intelligenz die Rede war: „Die erste Regel jeder Technologie im Unternehmen lautet: Automatisierung, angewendet auf einen funktionierenden Betrieb, vergrössert die Effizienz. Die zweite Regel lautet: Automatisierung, angewendet auf einen nicht funktionierenden Betrieb, vergrössert die Ineffizienz."

Für KI gilt dasselbe Prinzip, nur verstärkt. Ein Team mit klarem Mindset, hoher Energie und Lernbereitschaft wird mit KI spürbar produktiver. Ein Team ohne dieses Fundament wird mit KI vor allem schneller enttäuscht, weil die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Eine Studie von Kearney und Egon Zehnder unter über 100 Führungskräften weltweit zeigt, wie verbreitet dieses Problem ist. Nur 20 Prozent der Befragten glauben, dass ihr Unternehmen über die nötigen Fähigkeiten verfügt, um mit den Veränderungen durch KI in den nächsten fünf Jahren umzugehen. 80 Prozent sehen sich also nicht vorbereitet, und das, obwohl viele dieser Unternehmen längst KI-Tools eingeführt haben.

McKinsey kommt in einer breiteren Untersuchung zu Transformationsprojekten zu einem ähnlichen Bild: 70 Prozent aller Transformationsinitiativen in Unternehmen scheitern, meist wegen fehlender Unterstützung durch das Top-Management und mangelnder Einbindung der Mitarbeitenden. Eine Auswertung von MIT-Forschern zum Return on Investment von KI-Projekten fand sogar, dass 95 Prozent der befragten Unternehmen bislang keine messbare Rendite auf ihre KI-Investitionen erzielen konnten.

Diese Zahlen erzählen keine Geschichte über schlechte Software. Sie erzählen eine Geschichte über Betriebe, die auf ein Fundament setzen, das noch nicht trägt.

Warum Energie die unterschätzte Führungsvariable ist

Der Managementautor Tony Schwartz bringt es in seinem Buch „The Power of Full Engagement" auf den Punkt: „Energie, nicht Zeit, ist die eigentliche Währung von Spitzenleistung." Kalenderzeit ist begrenzt und für alle gleich. Energie schwankt, lässt sich aber gezielt aufbauen, und genau das machen die wenigsten systematisch.

Die Egon-Zehnder-Zahlen passen zu einem Muster, das sich in vielen Organisationen beobachten lässt: Menschen sind im operativen Tagesgeschäft so eingebunden, dass für die eigene mentale und energetische Verfassung kaum Raum bleibt. Wer täglich eine halbe Stunde investiert, um ein neues KI-Tool zu lernen, aber keine vergleichbare Zeit in Erholung, Bewegung oder mentale Klarheit steckt, baut auf einem Fundament, das mit der Zeit brüchig wird.

Das zeigt sich in der Praxis an einem einfachen Muster, das es schon lange vor KI gab. Bei der Einführung neuer Software gilt seit Jahrzehnten eine Faustregel aus dem Vertrieb: Ein CRM-System hilft nur, wenn die Verkaufsmannschaft bereits die Haltung mitbringt, systematisch an Kunden dranzubleiben. Fehlt diese Haltung, bleibt das System ungenutzt oder wird zur lästigen Pflicht. Bei KI ist der Mechanismus derselbe, nur mit grösserer Hebelwirkung, weil KI so viel mehr Aufgabenfelder gleichzeitig berührt.

Die zweite Ebene: Lernen und Anpassen als System, nicht als Ereignis

Auf dem Fundament aus Mindset und Energie baut eine zweite Ebene auf: die Fähigkeit, kontinuierlich zu lernen und sich anzupassen.

Satya Nadella hat als CEO von Microsoft die Unternehmenskultur konsequent auf dieses Prinzip ausgerichtet und es in einem prägnanten Satz zusammengefasst: „Wer bereit ist, ständig dazuzulernen, schlägt auf Dauer jeden, der glaubt, schon alles zu wissen." Diese Haltung, massgeblich durch die Forschung der Psychologin Carol Dweck geprägt, entscheidet darüber, ob Fehler als Bedrohung oder als Lernchance wahrgenommen werden.

Für den Umgang mit KI ist dieser Unterschied besonders gross. Wer KI nur als Frage-Antwort-Automat nutzt, bleibt auf dem Niveau stehen, das die Technologie schon vor Jahren hatte. Wer KI als Sparringspartner einsetzt, der eigene blinde Flecken aufdeckt und Ideen im Dialog schärft, holt aus demselben Werkzeug einen völlig anderen Wert heraus. Entscheidend ist die Bereitschaft, sich davon herausfordern zu lassen.

Ein weiteres Muster fällt in der Beratungspraxis regelmässig auf: Ein Meeting, das ausschliesslich der Frage gewidmet ist, was in den letzten Wochen nicht funktioniert hat und woraus sich lernen lässt, kommt in den wenigsten Organisationen regelmässig vor. Lernkultur entsteht durch die bewusste Entscheidung, sich diesen Raum regelmässig zu nehmen. Sie ist kein Software-Update.

Die dritte Ebene: Werkzeuge, die ein Fundament brauchen, um zu wirken

Erst auf diesen beiden Ebenen aufbauend wird die dritte Ebene relevant: Methoden und Werkzeuge, zu denen KI zählt und deren Bedeutung stetig wächst. Ohne die ersten beiden Ebenen bleibt jede Strategie von oben wirkungslos, weil die Werkzeuge dann schlicht nicht richtig genutzt werden.

Hier zeigt sich ein Denkfehler, der in vielen KI-Einführungen zu beobachten ist. Schulungen konzentrieren sich fast immer auf die konkrete Anwendung im aktuellen Moment: wie man ein bestimmtes Tool für eine bestimmte Aufgabe bedient. Das hilft für genau diesen einen Fall. Sobald sich die Aufgabe oder das Tool ändert, was bei KI in immer kürzeren Abständen passiert, ist dieses Wissen bereits veraltet.

Wirksamer ist es, das grundlegende Prinzip zu vermitteln: wie man mit einer neuen Technologie systematisch umgeht, unabhängig vom konkreten Anwendungsfall. McKinsey nennt das in einer aktuellen Untersuchung „AI Fluency", die Fähigkeit, KI-Werkzeuge anzuwenden, hybride Arbeitsabläufe zu gestalten und Risiken einzuschätzen, statt einzelne Prompts auswendig zu lernen. Genau hier liegt laut McKinsey der grösste Nachholbedarf in den meisten Unternehmen.

Investitionen in Weiterbildung wirken deshalb nur dann, wenn sie an den beiden ersten Ebenen ansetzen. Wer Mindset und Lernbereitschaft bereits mitbringt, sucht sich das nötige Wissen über neue Werkzeuge grösstenteils selbst. Wer beides nicht mitbringt, wird auch die aufwendigste Schulung kaum in echte Anwendung übersetzen.

Was daraus folgt

KI verändert Prozesse, Rollen und ganze Geschäftsmodelle. Ob ein Team dabei zu den Gewinnern gehört, entscheidet sich an einer anderen Stelle: bei Mindset, Energie und der Fähigkeit, kontinuierlich zu lernen. Diese Ebenen liegen in der menschlichen Führung. KI kann sie beschleunigen, so wie ein Enzym eine Reaktion beschleunigt, die ohne die Grundstoffe gar nicht stattfindet. Ersetzen kann sie diese Fundamente nicht.

Die entscheidende Frage

Wenn du auf die letzten Wochen zurückblickst: Wie viel Zeit hast du in neue Tools investiert, wie viel in dein eigenes Mindset und deine Energie? Und wann hat dein Team zuletzt gezielt reflektiert, was nicht funktioniert hat und woraus ihr lernen könnt?

👉 Im aktuellen ->Video zeige ich, wie du diese drei Ebenen in deinem Unternehmen systematisch aufbaust.

Genau an den beiden ersten Fundamenten, Mindset und Energie sowie Lernen und Anpassen, setzt mein Next Level Success Programm an, bevor überhaupt über Tools gesprochen wird. Die nächste Kohorte startet Ende August, 20 Wochen für Führungskräfte und Unternehmer, die ihr Team und sich selbst aufs nächste Level bringen wollen. Es hat nur noch wenige Plätze. 

Mehr Infos zu Next Level Success findest du ➔ hier.


„Die erste Regel jeder Technologie im Unternehmen lautet: Automatisierung, angewendet auf einen funktionierenden Betrieb, vergrössert die Effizienz. Die zweite Regel lautet: Automatisierung, angewendet auf einen nicht funktionierenden Betrieb, vergrössert die Ineffizienz."
— Bill Gates

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