💡 Was 'Warten auf Godot' mit deiner Führungsqualität zu tun hat
Apr 13, 2026
Heute hätte Samuel Beckett Geburtstag – der Autor von Warten auf Godot. Falls der Name nicht sofort klingelt: Das Stück kennst du. Zwei Männer auf einer leeren Bühne. Sie warten auf jemanden, der nie auftaucht. Es passiert – nichts.
Das gilt seit Jahrzehnten als eines der bedeutendsten Theaterstücke überhaupt. Und je länger ich mit Führungskräften arbeite, desto mehr denke ich: Es ist auch eine ziemlich genaue Beschreibung vieler Arbeitstage.
Nicht weil nichts passiert. Sondern weil man am Ende des Tages nicht mehr genau sagen kann, was eigentlich passiert ist.
Volle Tage, viele Themen, ständig in Bewegung – und trotzdem dieses diffuse Gefühl abends, dass der Tag irgendwie an einem vorbeigezogen ist. Nicht erschöpft von den richtigen Dingen, sondern einfach... leer.
Das ist kein Zeitproblem. Es ist ein Energieproblem. (Dazu habe ich übrigens gerade ein neues Video aufgenommen – mehr dazu am Ende.)
Und der Unterschied ist entscheidend. Wer glaubt, er bräuchte nur mehr Stunden, optimiert das Falsche. Schau dir zwei vergleichbare Tage an: gleiche Struktur, gleiche Meetings. Einmal bist du klar und fokussiert. Einmal bist du schon am Vormittag irgendwie nicht mehr richtig dabei. Der Unterschied liegt nicht an der Zeit – sondern daran, wie viel Energie dir zur Verfügung steht.
Energie geht nicht einfach verloren. Sie wird gezogen – oft von Dingen, die man nie bewusst zugelassen hat.
Die erste Stunde des Tages ist dabei fast immer entscheidend. Die meisten starten nicht bei null, sondern im Minus: zu wenig Schlaf, sofort ins Handy, direkt im Reaktionsmodus. Bevor du einen eigenen Gedanken hattest, bist du schon in den Themen von anderen drin.
Und dann läuft der Rest des Tages im selben Muster. Du reagierst – auf Mails, Rückfragen, Abstimmungen. Du bist beschäftigt, keine Frage. Aber du gestaltest nicht mehr wirklich. Du wartest – wie Becketts Figuren – auf den Moment, in dem du endlich zu den wichtigen Dingen kommst.
Der kommt meist nicht.
Wer morgens mit fremden Themen startet, führt den ganzen Tag hinterher.
Forschung von Teresa Amabile an der Harvard Business School zeigt: Erlebter Fortschritt ist einer der stärksten Energietreiber überhaupt. Nicht Lob, nicht Anerkennung – sondern das Gefühl, dass etwas vorangeht, das dir wichtig ist. Umgekehrt gilt: Wer nur reagiert, verliert Energie – auch wenn er objektiv viel erledigt hat.
Das erklärt dieses Phänomen, das viele kennen: produktiver Tag auf dem Papier, und trotzdem das Gefühl, nicht wirklich etwas bewegt zu haben.
Drei Fragen für diese Woche:
- Wann gestaltest du – und wann reagierst du nur? Schau dir ehrlich an, wie deine erste Stunde aussieht.
- Was zieht dir Energie, ohne dass du es je bewusst entschieden hast? Meetings, Dauerthemen, bestimmte Gespräche – vieles davon ist nie wirklich hinterfragt worden.
- Wie schnell findest du zurück, wenn deine Energie fällt? Wer das nicht aktiv steuert, zieht einfach durch – und merkt erst abends, was das gekostet hat.
Fünf konkrete Hebel, die sich sofort umsetzen lassen, gibt es in meinem neuen 🎥 Video.
Die Frage in den Montag: Womit startest du heute – mit deinem Thema, oder mit dem von jemand anderem?
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