Leadership-Impulse

Warum längere Arbeitstage deine Wirkung als Leader schwächen

leadership linkedin-newsletter Feb 12, 2026
Warum längere Arbeitstage deine Wirkung als Leader schwächen

Es klingt zunächst wie ein Widerspruch – gerade in verantwortungsvollen Rollen.

Wer viel Verantwortung trägt, wer Ergebnisse liefern muss, wer Menschen führt und strategische Weichen stellt, neigt dazu, ein einfaches Muster zu verinnerlichen: Mehr Einsatz bringt mehr Resultate. Länger arbeiten bedeutet mehr Wirkung.

Und genau hier liegt einer der größten Denkfehler moderner Führung.

In meiner Arbeit mit CEOs und Führungskräften erlebe ich immer wieder dasselbe Phänomen: Die Tage werden länger, die To-do-Listen voller, die operative Taktung enger – und trotzdem entsteht am Ende das Gefühl, nicht wirklich voranzukommen.

Das Problem ist dabei fast nie fehlende Zeit.

Es sind drei andere Hebel, die systematisch unterschätzt werden: Energie, Fokus und Momentum.

Interessanterweise beobachten wir in Hochleistungsphasen – etwa in intensiven Projektwochen oder strategischen Wendepunkten – dass genau diese drei Faktoren intuitiv richtig gesetzt werden. Menschen arbeiten dann nicht zwangsläufig länger, sondern klarer, konzentrierter und mit spürbarer Dynamik.


1. Energie ist der eigentliche Engpass

Niemand ist produktiv mit leerem Akku – und trotzdem behandeln viele Führungskräfte ihre Energie wie eine unerschöpfliche Ressource.

Studien zur sogenannten Ego Depletion, unter anderem von Roy Baumeister, zeigen deutlich: Sinkt unsere mentale Energie, verschlechtert sich die Qualität unserer Entscheidungen. Wir reagieren impulsiver, vermeiden schwierige Gespräche, verschieben strategische Themen und erzeugen ungewollt Mehrarbeit.

Das deckt sich exakt mit meiner Coaching-Erfahrung. Wenn Führungskräfte berichten, sie hätten „zu wenig Zeit“, finden wir fast immer folgende Muster:

  • Dauerhafte Erreichbarkeit ohne echte Regenerationsphasen

  • Kaum geschützte Denkzeit für strategische Themen

  • Zu viele Kontextwechsel

  • Schlaf- und Bewegungsmangel

  • Permanente Reizüberflutung

In einem meiner Artikel habe ich es so formuliert: Das Fundament nachhaltigen Erfolgs ist „Mindset & Energie“. Ohne dieses Fundament bleiben Strategien, Methoden und Tools weit unter ihrer möglichen Wirkung.

Viele versuchen, Produktivität über neue Techniken zu lösen – bessere Planungssysteme, Apps, Tools, Frameworks. Doch Produktivität ist kein primär technisches Problem. Sie ist in erster Linie ein Energieproblem.

Wenn du deine Energie systematisch schützt und bewusst auflädst, triffst du klarere Entscheidungen, kommunizierst präziser und reduzierst operative Reibungsverluste. Und genau dadurch entsteht Zeitgewinn – nicht durch noch mehr Disziplin, sondern durch höhere Qualität.


2. Fokus ist eine strategische Entscheidung

Der zweite Hebel ist Fokus – allerdings nicht im Sinne einer optimierten To-do-Liste, sondern als bewusste Entscheidung für Wirkung.

Zwei Denkfehler sehe ich besonders häufig.

a) Die unterschätzten Opportunitätskosten

„Das mache ich schnell noch.“

Solche Sätze klingen harmlos, sind aber teuer. Jede Unterbrechung kostet nicht nur Minuten, sondern Konzentration, Kontext und Momentum. Studien der University of California zeigen, dass es im Schnitt über 20 Minuten dauern kann, bis wir nach einer Unterbrechung wieder auf unserem ursprünglichen Konzentrationsniveau sind.

Für dich als Leader bedeutet das: Viele kleine „kurze“ Eingriffe summieren sich zu einem massiven Verlust an strategischer Denktiefe.

b) Die Sunk-Cost-Falle

Wir halten an Projekten fest, weil wir bereits investiert haben – Zeit, Budget, Reputation. Rational betrachtet wäre ein klarer Schnitt oft sinnvoller. Emotional fällt er schwer.

Wer führen will, muss nicht nur priorisieren, sondern auch loslassen können.

In meinem Modell der Erfolgssysteme beschreibe ich, dass nachhaltiger Erfolg erst dann entsteht, wenn wir Wirkung systematisch wiederholbar machen – statt permanent neue Initiativen anzustoßen und halb fertig liegen zu lassen.

Fokus bedeutet daher auch, mutig zu entscheiden: Was zahlt wirklich auf deine Vision ein – und was beschäftigt dich nur?

Fokus ist kein Organisationsproblem. Es ist ein Identitätsthema.


3. Momentum – der unterschätzte Multiplikator

Der dritte Hebel ist Dynamik, oder anders gesagt: Momentum.

Viele Führungskräfte arbeiten im Stop-and-Go-Modus. Projekte werden gestartet, unterbrochen, neu priorisiert, wieder aufgenommen. Das erzeugt Aktivität, aber keine Durchschlagskraft.

„Stop and Go killt Wirkung.“

Momentum entsteht, wenn du lange genug an einem Thema dranbleibst, um echte Substanz aufzubauen. Das gilt für persönliche Ziele ebenso wie für strategische Initiativen im Unternehmen.

In meinem Modell der Erfolgssysteme beschreibe ich den Unterschied zwischen Organisationen, die täglich neu anschieben müssen, und solchen, die durch installierte Systeme eine Eigendynamik erzeugen. Genau diese Eigendynamik ist Momentum auf Organisationsebene.

Wenn du Momentum aufbaust, reduzierst du Reibung. Entscheidungen werden schneller umgesetzt, dein Team arbeitet abgestimmter, Ergebnisse entstehen mit weniger Kraftaufwand.


Warum früher aufhören tatsächlich mehr Wirkung erzeugt

Wenn du deine Energie bewusst steuerst, deinen Fokus klar setzt und Momentum aufbaust, verändert sich die Qualität deiner Arbeit spürbar.

Du triffst Entscheidungen schneller und souveräner.
Du führst Meetings klarer.
Du reduzierst Nacharbeit.
Du vermeidest unnötige Schleifen.
Du schaffst Raum für strategische Themen.

Und genau dadurch entstehen oft ein bis zwei Stunden pro Tag, die zuvor im operativen Nebel verschwunden sind.

Nicht, weil du weniger arbeitest.
Sondern weil du wirksamer arbeitest.

Früher aufzuhören ist dann kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern Ausdruck höherer Selbstführung.


Es ist kein Wissensproblem – sondern ein Umsetzungsproblem

Du kennst vieles davon bereits.

Und trotzdem bleibt der Alltag häufig unverändert.

In mehreren meiner Beiträge habe ich beschrieben, dass Initiativen selten an fehlendem Know-how scheitern, sondern am Mindset und an der fehlenden konsequenten Umsetzung.

Der Unterschied liegt nicht im Verstehen, sondern im Tun.

Früher aufzuhören zu arbeiten bedeutet nicht, weniger ambitioniert zu sein. Es bedeutet, höhere Ansprüche an deine eigene Wirksamkeit zu stellen.


Drei Reflexionsfragen

  1. Wo verlierst du aktuell am meisten Energie – und warum tolerierst du das noch?

  2. Welche Aktivität hätte den größten strategischen Hebel, bekommt aber zu wenig geschützten Raum?

  3. In welchem Bereich arbeitest du im Stop-and-Go-Modus, obwohl konsequente Weiterführung möglich wäre?

Schon eine bewusste Veränderung in einem dieser Punkte kann die Qualität deiner Führung deutlich erhöhen.


Vertiefung im aktuellen Video

In meinem aktuellen YouTube-Video gehe ich genau auf diese drei Hebel – Energie, Fokus und Momentum – noch einmal strukturiert ein und zeige anhand konkreter Beispiele aus meiner Arbeit mit Führungskräften, wie sich diese Prinzipien im Alltag umsetzen lassen.

Hier geht's zum Video.

Wenn du das Gefühl hast, viel zu leisten und dennoch unter deinen Möglichkeiten zu bleiben, lohnt sich der Blick darauf. Nicht, um noch mehr Methoden kennenzulernen – sondern um die entscheidenden Stellschrauben klarer zu sehen.

Leadership heißt nicht, möglichst lange zu arbeiten.

Leadership heißt, mit begrenzter Zeit maximale Wirkung zu erzielen.

Und manchmal beginnt genau das damit, bewusst früher Schluss zu machen.

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