Für viele hat das Arbeitsjahr gerade erst begonnen.
Die Kalender füllen sich wieder. Meetings laufen an. Projekte nehmen Fahrt auf.
Und jetzt kommt der klassische Jahresstart-Mythos.
Natürlich sollten die Ziele definiert sein.
Natürlich wären Strategien geschärft.
Natürlich müssten die Prioritäten klar sein.
In der Realität sieht es oft anders aus:
Ein paar lose Vorsätze, ein grobes Bauchgefühl – und dann übernimmt sehr schnell wieder der Alltag.
Das ist menschlich.
Aber genau hier liegt der entscheidende Punkt.
Denn selbst wenn Ziele sauber definiert sind, scheitert Führung selten daran.
Sie scheitert an etwas anderem.
Warum gute Vorsätze so oft wirkungslos bleiben
Die meisten Führungskräfte, mit denen ich arbeite, wissen sehr genau, was sie tun sollten:
-
klarer priorisieren
-
früher entscheiden
-
Verantwortung konsequenter einfordern
-
weniger selbst übernehmen
Und trotzdem passiert im Alltag erstaunlich wenig davon.
Nicht aus mangelnder Disziplin.
Sondern weil Verhalten stärker ist als Planung.
Die Verhaltensforschung ist hier eindeutig:
Studien zeigen, dass über 40 % unseres täglichen Handelns nicht bewusst entschieden, sondern automatisiert ablaufen – als Gewohnheiten und Reaktionsmuster.
Das bedeutet:
Deine Ziele bestimmen die Richtung.
Deine Gewohnheiten bestimmen die Realität.
Oder anders gesagt:
Du kannst neue Ziele haben – und trotzdem im alten Jahr stecken bleiben.
Der stille Hebel im Januar
Gerade jetzt, zu Jahresbeginn, ist das Zeitfenster besonders wertvoll.
Noch ist nicht alles voll verplant.
Noch sind Routinen nicht wieder zementiert.
Noch ist Spielraum für bewusste Justierungen.
Und genau hier liegt der eigentliche Hebel:
Nicht „Was will ich dieses Jahr erreichen?“
sondern
„Wie will ich mich in typischen Situationen anders verhalten?“
Das ist unbequemer.
Aber es ist wirksamer.
Drei typische Führungssituationen – und warum sie entscheidend sind
In meiner Arbeit sehe ich immer wieder dieselben Alltagsmomente, in denen sich Führung entscheidet:
- Entscheidungen unter Unsicherheit
Wie lange zögerst du, bis du entscheidest?
Und wie oft wandern Entscheidungen wieder nach oben, obwohl sie eigentlich im Team liegen könnten? - Unangenehme Themen
Sprichst du Dinge an, wenn sie noch klein sind – oder erst, wenn sie eskalieren? - Eingreifen vs. Vertrauen
Wo greifst du ein, weil es schneller geht – und wo nimmst du deinem Team damit Entwicklung ab?
Diese Situationen sind unspektakulär.
Aber sie formen Kultur, Tempo und Verantwortung.
Nicht einmalig.
Sondern jeden Tag.
Warum kleine Verhaltensänderungen große Wirkung haben
Forschung zu Gewohnheiten zeigt etwas Entscheidendes:
Kleine Verhaltensänderungen wirken nicht linear – sie wirken kumulativ.
Ein einziges anderes Verhalten, konsequent über Wochen angewendet, verändert:
-
Erwartungen im Team
-
Entscheidungsqualität
-
Verantwortungsübernahme
-
und letztlich deine eigene Entlastung
Deshalb ist der Anspruch für den Jahresstart nicht:
alles anders zu machen.
Sondern eine Sache bewusst anders.
Eine einfache, aber anspruchsvolle Januar-Challenge
Wenn du dieses Jahr wirklich anders starten willst, dann nicht mit zehn Zielen.
Sondern mit einer klaren Verhaltensentscheidung bis Ende März:
1. Wähle eine konkrete Verhaltensänderung.
Zum Beispiel:
-
Entscheidungen innerhalb von 48 Stunden treffen
-
kritische Themen spätestens beim zweiten Bauchgefühl ansprechen
-
weniger selbst lösen, mehr Verantwortung übergeben
2. Beobachte dich im Alltag.
Nicht bewerten. Nicht optimieren.
Einfach wahrnehmen: „Was mache ich gerade automatisch?“
3. Handle einmal bewusst anders als sonst.
Klein reicht. Aber klar.
Für manche ist das tatsächlich schon:
nicht sofort korrigieren – sondern erst fragen.
Oder: einmal bewusst nicht eingreifen.
Führung entsteht nicht im Jahresplan
Ziele geben Orientierung.
Strategien geben Struktur.
Aber Wirkung entsteht im Verhalten –
in genau den Situationen, die wir sonst übergehen.
Der wahre Neustart passiert deshalb nicht auf der Strategie-Folie.
Sondern montagmorgens. Im Meeting. Im Gespräch. In der Entscheidung.
Frage an dich zum Jahresstart:
Welches konkrete Verhalten willst du in den nächsten Wochen bewusst verändern – und woran wirst du merken, dass es wirkt?
Wenn du genau diese frühen Weichenstellungen systematisch angehen willst:
In meiner nächsten Lunch&Grow Session im Januar geht es genau darum, welche Führungs-Moves zu Jahresbeginn den Ton setzen – und warum viele Leader hier ungenutzte Chancen liegen lassen.
PS: Welche Verhaltensweise nimmst du dir jedes Jahr vor – und setzt sie dann doch nicht konsequent um?
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