Leadership-Impulse

Verzettelt sich dein Team? Hier sind fünf Schritte, die das ändern.

leadership linkedin-newsletter produktivität May 07, 2026
Verzettelt sich dein Team? Hier sind fünf Schritte, die das ändern.

In meinem aktuellen ➔ Video zeige ich dir fünf konkrete Schritte, mit denen du echte strategische Prioritäten definierst und im Alltag schützt: ein klares Zielbild, radikale Auswahl, ein tragendes Warum, Umsetzung im Kalender und aktiver Fokusschutz. Wer die Details sehen will, findet dort mehr.

Stell dir vor, ich frage morgen früh drei Mitglieder deines Teams: „Was sind unsere drei wichtigsten strategischen Prioritäten?" Wie viele verschiedene Antworten bekommst du?

Aus meiner Erfahrung mit Führungsteams: meistens fünf, sechs, manchmal mehr. Jeder hat eine leicht andere Version. Und alle liegen irgendwie nicht falsch.

Genau da liegt das Problem.

Wenn ein Team keine gemeinsame Antwort auf diese Frage hat, arbeiten die Menschen mit Einsatz, aber in leicht unterschiedliche Richtungen. Richard Rumelt, einer der renommiertesten Strategieforscher, beschreibt dieses Phänomen in Good Strategy / Bad Strategy präzise: Schlechte Strategien formulieren ambitionierte Ziele, setzen aber keine echten Prioritäten. Was dabei entsteht, ist organisatorische Blindleistung. Viel Bewegung, wenig Wirkung.

Studien der Harvard Business School bestätigen das: Klarheit über Prioritäten ist einer der stärksten Treiber für Teamleistung. Teams mit klar kommunizierten Schwerpunkten arbeiten schneller, koordinierter und mit weniger Reibungsverlusten.

Das klingt banal. Ist im Alltag aber erstaunlich selten.

Warum Priorisierung so schwer fällt

Das Problem hat eine strukturelle und eine psychologische Seite.

Strukturell: Sobald mehrere Personen in einem Raum sitzen und Themen einbringen, wächst die Liste. Noch ein Projekt hier, noch eine Initiative da. Am Ende haben alle das Gefühl, dass alles wichtig ist. Und in dem Moment, wo alles wichtig ist, ist nichts mehr wirklich wichtig.

Psychologisch: Wir sind darauf konditioniert, Dinge hinzuzufügen. Weglassen fühlt sich falsch an, fast wie Verlust. Forschungen aus der Verhaltensökonomie zeigen, dass Menschen stark zu unmittelbaren Ergebnissen tendieren. Operative Aufgaben liefern schnelles Feedback und sofortige Anerkennung. Strategische Arbeit entfaltet ihre Wirkung zeitverzögert. Im direkten Wettbewerb um Aufmerksamkeit gewinnt fast immer das Operative.

Das erklärt, warum strategische Prioritäten häufig bekannt, aber selten wirklich gelebt werden.

Die fünf Schritte zu echtem Team-Fokus

1. Ein konkretes Zielbild

Strategische Prioritäten brauchen ein klares Zielbild als Fundament. Nicht „wir wollen wachsen" oder „wir wollen innovativer werden", sondern: Wie sieht der konkrete Zustand in 18 Monaten aus? Woran erkennt man, dass man dort angekommen ist?

Aus meiner Erfahrung haben rund 90 % der Führungskräfte, mit denen ich arbeite, genau das nicht wirklich klar. Nicht weil sie es nicht wollen, sondern weil Klarheit zu Entscheidungen zwingt. Und Entscheidungen bedeuten, Optionen auszuschließen. Das ist unbequem.

Ein Zielbild, das niemanden wirklich berührt, bleibt ein Satz auf einer Folie. Für die Umsetzung braucht es Relevanz, die die Menschen selbst spüren.

2. Radikale Auswahl

Das englische Wort „Priority" war ursprünglich ein Singular. Es gab nur eine. Erst im 20. Jahrhundert wurde daraus ein Plural. Das ist kein sprachlicher Zufall, sondern ein Symptom.

Maximal drei Prioritäten. Alles darüber ist eine Sammlung von Themen, keine Priorisierung. Eine zusätzliche Priorität reduziert die Wahrscheinlichkeit, dass irgendetwas wirklich umgesetzt wird. Man arbeitet hier aktiv gegen den eigenen Instinkt. Bring a few things a mile forward instead of many things an inch. Fokus entsteht durch Reduktion.

3. Das Warum, das trägt

Dieser Schritt wird fast immer übersprungen. Dabei entscheidet er darüber, ob eine Priorität im Alltag hält, wenn es schwierig wird.

John Kotter, dessen Transformationsforschung seit Jahrzehnten Maßstäbe setzt, zeigt: Viele Initiativen scheitern nicht an der Qualität der Idee, sondern daran, dass die Dringlichkeit nicht tief genug verankert ist. Die Brüder Chip und Dan Heath beschreiben in Switch den Unterschied zwischen Reiter und Elefant. Der Reiter steht für rationales Denken, der Elefant für die emotionale Energie. Der Reiter kann genau wissen, was zu tun wäre. Wenn der Elefant sich nicht bewegt, passiert trotzdem nichts.

Das Warum muss den Elefanten erreichen. Logisch richtig reicht nicht. Es braucht eine Antwort, die spürbar macht, warum diese Priorität gerade jetzt zählt.

4. Der Kalender als Realitätscheck

Viele Führungskräfte haben gute Absichten. Aber gute Absichten ohne reservierte Zeit sind keine Prioritäten. Sie sind Wünsche.

Umsetzung beginnt damit, dass Zeit konkret eingeplant wird. Studien von Deloitte zeigen, dass ein Großteil der Arbeitszeit für Abstimmung, Meetings und reaktives Handeln aufgeht. Wer keine Zeit für strategische Arbeit aktiv reserviert, überlässt dem Operativen automatisch das Feld.

Das gilt übrigens auch für die persönliche Führungsarbeit. Diese YouTube-Videos entstehen nicht, weil mir gelegentlich spontan etwas einfällt. Sie entstehen, weil dafür konkrete Zeit eingeplant ist. Früher habe ich das ad hoc gemacht. Der Unterschied in Qualität und Kontinuität ist deutlich spürbar.

5. Fokus aktiv schützen

Fokus entsteht nicht einmalig, er muss dauerhaft verteidigt werden. Spontane Anfragen, Meetings ohne echten Mehrwert, die Themen anderer, die plötzlich dringend werden: Das alles ist real und lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber wenn keine bewusste Entscheidung dagegen getroffen wird, verdrängt das Dringende das Wichtige.

Ein starkes Warum aus Schritt 3 macht genau diese Entscheidungen leichter. Wer wirklich versteht, warum eine Priorität zählt, dem fällt es deutlich leichter, ein klares Nein zu formulieren.

Der einfache Test

Frag morgen früh dein Team: „Was sind unsere drei wichtigsten strategischen Prioritäten?" Und dann: „Wofür habt ihr in den letzten zwei Wochen am meisten Zeit aufgewendet?"

Wenn die Antworten weit auseinanderliegen, weißt du, wo anzusetzen ist. Nicht weil das Team schlecht arbeitet, sondern weil das Potenzial noch nicht voll genutzt wird.

Genau das ist der Punkt.

Leadership-Frage der Woche

Wenn du ehrlich auf die letzten vier Wochen schaust: Haben deine drei wichtigsten Prioritäten wirklich Zeit in deinem Kalender bekommen? Oder haben sie auf bessere Umstände gewartet?

➔ Im Video gehe ich noch einen Schritt weiter: Ich zeige dir konkret, wie du jeden dieser fünf Schritte im Alltag umsetzt, welche Fragen du mit deinem Team stellen solltest und warum strategische Themen selbst dann liegen bleiben, wenn allen klar ist, dass sie wichtig wären. Schau rein, wenn du aus dem Lesen ins Tun kommen willst.


„Wir haben nicht zu wenig Zeit für alles, was wir tun müssen. Wir glauben nur, zu viele Dinge in der verfügbaren Zeit tun zu müssen."
– Gary Keller, Autor von "The One Thing"

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