Leadership-Impulse

Teams werden nicht „zufällig“ zukunftsfit. Sie brauchen ein anderes Betriebssystem.

leadership linkedin-newsletter Feb 26, 2026
Teams werden nicht „zufällig“ zukunftsfit. Sie brauchen ein anderes Betriebssystem.

Wenn du heute das Gefühl hast, dein Team schwimmt häufiger hinterher, dann liegt das selten an „zu wenig Einsatz“.

Es liegt daran, dass viele Teams immer noch mit einem Betriebssystem arbeiten, das für eine Welt gebaut wurde, die es so nicht mehr gibt.


5 Trends, die dein Team gerade heimlich überholen

1) Skill-Shifts: Die Halbwertszeit von Kompetenz sinkt

Der World Economic Forum Report Future of Jobs 2025 zeigt ziemlich klar: technologische Skills (u.a. AI & Big Data) gewinnen weiter an Bedeutung – gleichzeitig steigen „Human Skills“ wie Resilienz, Flexibilität/Agilität und Neugier/Lifelong Learning.

Wenn das stimmt (und es passt erschreckend gut zur Praxis), dann ist „wir sind fachlich stark“ kein Schutz mehr – sondern nur der Startpunkt.

Konsequenz für Teams: Wer Lernen nicht systematisiert, wird langsam. Und wer langsam wird, wird unsicher. Und dann wird wieder micromanaged.


2) „Work gets in the way of work“: Die Organisation frisst die Kapazität

Deloitte beschreibt in den Human Capital Trends, dass viele Unternehmen versuchen, unnötige Arbeit zu reduzieren – und trotzdem scheitern: Work gets in the way of work.

Das ist die höfliche Version von: Zu viele Meetings, zu viele Schleifen, zu viel Abstimmung – zu wenig Wertschöpfung.

Konsequenz für Teams: Zukunftsfitness ist nicht primär „mehr leisten“. Es ist Kapazität zurückgewinnen, damit du überhaupt wieder gestalten kannst.


3) Engagement sinkt: Energie wird zum Engpass

Gallup zeigt seit Jahren: Nur ein relativ kleiner Anteil der Mitarbeitenden ist wirklich engagiert. Der Rest arbeitet korrekt – aber ohne echte emotionale Bindung.

Und wenn Energie sinkt, passiert etwas Brutales: Teams kompensieren das mit Aktivität statt Wirkung. Man wirkt beschäftigt – aber es entsteht kein echter Fortschritt.

Konsequenz für Teams: Zukunftsfitness ist auch eine Energie-Frage. Nicht Wellness. Sondern Performance-Realität.


4) Unsicherheit ist nicht mehr Ausnahme, sondern Standard

Ob du es VUCA nennst oder BANI: Die Dynamik ist dieselbe. Planung verliert schneller ihren Wert, weil Annahmen schneller kippen.

Perfekte Planung wird überschätzt.
Anpassungsfähigkeit wird unterschätzt.

Konsequenz für Teams: Du brauchst weniger „perfekte Pläne“ und mehr Orientierung + Anpassungsfähigkeit.


5) Lernen passiert nur, wenn Menschen sprechen dürfen

Amy Edmondson hat „psychological safety“ als gemeinsame Überzeugung beschrieben, dass ein Team interpersonelle Risiken eingehen kann – Fragen stellen, Fehler ansprechen, Ideen teilen – ohne Angst vor negativen Folgen.

Google kam später im Project Aristotle zum selben Kern: Psychologische Sicherheit ist ein zentraler Treiber wirksamer Teams.

Konsequenz für Teams: Ohne diese Basis lernst du langsamer, siehst Probleme später, und triffst Entscheidungen mit weniger Wahrheit im Raum.


Was macht ein Team dann wirklich zukunftsfit?

Zukunftsfitness entsteht nicht durch einzelne Massnahmen, sondern durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Sie ist ein System.

Hier ist ein Diagnosemodell, das du direkt nutzen kannst: ein Future-Fit-Team-Betriebssystem mit fünf zentralen Wirkfeldern.


1. Gemeinsames Lagebild (Sensemaking)

Viele Teams haben Strategiepapiere, Roadmaps und Zielbilder. Was ihnen fehlt, ist ein wirklich geteiltes Verständnis darüber, was draussen gerade passiert – und was das konkret für das eigene Geschäft bedeutet.

Ein zukunftsfitte Mannschaft nimmt sich bewusst Zeit für diese Frage:

Was verändert sich in unserem Markt, bei unseren Kunden, in der Technologie – und welche Konsequenzen ziehen wir daraus?

Das ist keine einmalige Strategie-Session, sondern eine wiederkehrende Führungsroutine. Zum Beispiel ein monatlicher Termin, in dem nur Signale gesammelt, interpretiert und priorisiert werden.

Wenn fünf Führungskräfte völlig unterschiedliche Antworten auf dieselbe Lagefrage geben, ist das kein Meinungspluralismus. Es ist ein Risiko.


2. Strukturelle Entlastung (Kapazität schaffen)

Zukunftsfitness scheitert selten an Ideen. Sie scheitert an Überlastung.

Wenn dein Team permanent in Meetings, Abstimmungen und Rückfragen steckt, bleibt keine Energie für Innovation oder strategische Arbeit.

Deshalb braucht es bewusste Eingriffe in die Arbeitsarchitektur:

  • klare Entscheidungsrechte, damit weniger eskaliert wird

  • ein echtes Meeting-Budget pro Rolle

  • eine konsequente Stop-Doing-Liste

Kapazität entsteht nicht durch Motivation. Sie entsteht durch Weglassen.


3. Systematisches Lernen (Lernfähigkeit als Kernkompetenz)

Viele Teams behaupten, sie würden „ständig lernen“. In der Realität passiert Lernen jedoch zufällig und individuell.

Zukunftsfitte Teams institutionalisierten Lernen:

  • After-Action-Reviews nach wichtigen Projekten

  • kurze, kontrollierte Experimente statt endloser Diskussionen

  • regelmässige Retrospektiven mit ehrlicher Analyse von Fehlern

Die entscheidende Frage lautet:

Was haben wir im letzten Quartal konkret gelernt – und was machen wir heute anders als zuvor?

Wenn diese Frage nicht klar beantwortet werden kann, ist Lernfähigkeit keine Stärke, sondern ein Mythos.


4. Anpassungsstärke (Dynamic Capabilities)

Strategieforschung spricht von sogenannten „Dynamic Capabilities“ – der Fähigkeit, Veränderungen früh wahrzunehmen (sensing), entschlossen zu nutzen (seizing) und Strukturen anzupassen (transforming).

Übertragen auf Teams bedeutet das:

  • Wir sehen neue Entwicklungen frühzeitig.

  • Wir treffen Entscheidungen zügig – auch unter Unsicherheit.

  • Wir passen Prozesse, Rollen oder Prioritäten an, wenn es nötig ist.

Viele Teams analysieren brillant – verändern aber wenig. Zukunftsfitness zeigt sich nicht im Denken, sondern im Anpassen.


5. Energie, Anspruch und Leistungsstolz

Engagement entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Sinn, Fortschritt und spürbare Wirkung.

Zukunftsfitte Teams definieren klare Leistungsstandards. Sie wissen, was „gut“ bedeutet. Sie machen Fortschritte sichtbar. Und sie feiern echte Resultate – nicht nur Aktivität.

Das ist kein toxischer Hochleistungsdruck.
Es ist gesunder Ehrgeiz und professioneller Stolz.

Ohne diesen inneren Anspruch bleibt jede Transformation oberflächlich.


Die eigentliche Frage

Wenn dein Team heute noch so arbeitet wie vor fünf bis zehn Jahren, dann bist du nicht „zu spät dran“ – aber du bist in der Zone, in der du entweder:

  • dein Team systematisch aufrüstest, oder

  • immer mehr Zeit in Koordination, Nachfragen und Eskalationen verlierst.

Und diese Zeit kommt nicht zurück.


Mini-Selbstcheck

Bewerte für dein Team je eine Zahl von 1–10:

  1. Wie klar ist unser gemeinsames Lagebild?

  2. Wie viel echte Wertschöpfungszeit haben wir?

  3. Wie konsequent lernen wir?

  4. Wie schnell treffen wir Entscheidungen?

  5. Wie hoch ist unsere innere Beteiligung?

Wo du unter 7 liegst, sitzt dein Hebel.


Ganz nebenbei: Ich habe dazu heute auch ein Video veröffentlicht („So wird dein Team zukunftsfit – 3 klare Hebel“), in dem ich diese Aspekte weiter vertiefe.

👉 Hier anschauen

 

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